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es könnte so ein…oder ganz anders.

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Montagsfrage: Sollen ErzieherInnen studieren (müssen) ?

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„Früher“ ging Papa arbeiten, und Mama war für die Kindererziehung zuständig. Inzwischen hat  angesichts sich zunehmend verändernder Familienstrukturen (alleinerziehende Elternteile, voll berufstätige Paare) die außerfamiliäre Kinderbetreuung in Institutionen und Tagespflegestellen immer mehr an Bedeutung gewonnen.

Dabei steht nicht mehr nur die Unterstützung und Entlastung der Eltern im Vordergrund. Es werden auch große Bildungs-Hoffnungen gerade in den Bereich der Vorschulpädagogik gesetzt: Die frühkindliche Erziehung in Krippen und Kindergärten soll die Kinder „schlauer“ und „sozialer“ machen – und dabei auch ein eventuell weniger förderliches Klima im Elternhaus ausgleichen.

Die Befundlage zur Entwicklung kognitiver und sozioemotionaler Kompetenzen von Kindern unter dem Einfluss „professioneller“ Betreuung ist durchwachsen. In einem kurzen Überblick könnte man zusammenfassen, dass

  • nach wie vor der größte Einfluss vom Elternhaus ausgeht
  • die Qualität der Betreuung aber eine große Rolle spielt
  • sich die Kinder bei guter Qualität der Betreuung im kognitiven Bereich tatsächlich positiv entwickeln
  • eine früh einsetzende und lang andauernde außerfamiliäre Betreuung aber mit Problemen bei der sozioemotionalen Entwicklung einhergehen kann
  • sich mangelnde Qualität der Betreuung und negative Merkmale der elterlichen Erziehung leider gegenseitig zu verstärken scheinen

Die Qualität der Betreuung ergibt sich einerseits aus den Arbeitsbedingungen (Gruppengröße, Personalschlüssel, Räumlichkeiten usw.), andererseit spielt auch die Qualifikation  der Betreuungspersonen eine wesentliche Rolle.
In diesem Zusammenhang und zusätzlich in Anbetracht der steigenden Anforderungen an eine/n Erzieher/in wird die bisherige Berufsausbildung immer mehr in Frage gestellt. Auch in Deutschland wird nun ein Hochschulstudium für ErzieherInnen gefordert, wie es in den meisten europäischen Ländern schon lange üblich ist.

Die Meinungen zu Sinn und Unsinn einer Akademisierung der ErzieherInnenausbildung gehen auseinander. Es werden Fragen diskutiert wie z.B.

  • Sind Enthusiasmus, Persönlichkeit und „gesunder Menschenverstand“ zur Ausübung dieses Berufes nicht doch wichtiger als wissenschaftliches Denken?
  • Sollte man eventuellen Defiziten in der Ausbildung und neuen Anforderungen nicht besser mit gezielten Weiterbildungsmaßnahmen begegnen?
  • Können im Rahmen eines Studiums der zweifellos notwendige Praxisbezug erhalten und ausreichend praktische Erfahrungen vermittelt werden?
  • Wer soll die höher qualifizierten Kräfte entsprechend höher bezahlen?
  • Wäre es nicht viel dringender, die Arbeitsbedingungen zu verbessern, damit die ErzieherInnen ihre Kompetenzen auch tatsächlich zur Geltung bringen können?
  • Reicht es nicht aus, die Ausbildung einfach „nach oben hin“ durchlässiger zu machen – den in Fachschulen ausgebildeten ErzieherInnen den Zugang zu entsprechenden Studiengängen zu erleichtern, statt die Ausbildung für alle verpflichtend an die Hochschule zu verlagern?
  • Wie und wann könnte überhaupt eine flächendeckende Versorgung mit studierten ErzieherInnen garantiert werden?
  • Gibt es das Berufsbild der ErzieherIn überhaupt noch – oder teilt sich das Arbeitsfeld angesichts des zunehmendem Umfangs der geforderten Kompetenzen schon lange in eigentlich unterschiedliche Berufsbilder auf?

Ich persönlich sehe die Forderung nach einer akademischen Ausbildung für ErzieherInnen eher positiv, weil… (weiterlesen hier)

Interessieren würde mich vor allem das Meinungsbild abseits von Institutionen und Politik. Was sagen Betroffene wie ErzieherInnen, Eltern, Großeltern, (zwischenzeitlich erwachsene) Kinder oder Lehrer zur Akademisierung der ErzieherInnenausbildung:

Sollen ErzieherInnen studieren (müssen) ?

Ich freue mich auf Eure Kommentare!

 

 

 

Meinungen, Diskussionen, Stellungnahmen:

  • Stellungnahme über die Zukunft der Kindertageseinrichtungen und zur Akademisierung der Ausbildung von ErzieherInnen  (2004)
    http://www.dbsh.de/html/erzieherinnen.html
    (war nicht direkt auf das entsprechend Dokument zu verlinken, sorry)

„Der DBSH lehnt eine grundsätzliche Anhebung des Ausbildungsniveaus auf akademische Ebene als Grundlage für den Berufszugang als ErzieherIn ab.“

„Im Interesse der sich abzeichnenden inhaltlichen Herausforderungen, die Förderung und Bildung von Kindern in den ersten Lebensjahren sowie das Dienstleistungsangebot für Familien zu verbessern, braucht es aber eine Neuausrichtung der Erzieherinnenausbildung.“

„Meine Tochter bricht die Ausbildung zur Erzieherin ab, obwohl von allen bescheinigt wird das sie für die praktischen Aufgaben des Kindergartenaltages eine “Naturbegabung” und die dazu notwendige Motivation hat (hatte). Mit knapp 18 Jahren schafft Sie nicht die Hürde “pädagogik = theorie” zu nehmen.“

»Wer nicht rechnen kann, bei dem reichts noch für die Erzieherausbildung«
»Defizite in der Ausbildung können nicht allein über Fortbildungen kompensiert werden«

„Der Aufgabenbereich für ErzieherInnen in Kindertageseinrichtungen hat sich drastisch gewandelt“

 

Studien, Literatur

  • Christine Speth. Rezension vom 27.02.2010 zu:
    Hilde von Balluseck (Hrsg.): Professionalisierung der Frühpädagogik. Verlag Barbara Budrich (Opladen; Farmington Hills, MI) 2008. 260 Seiten. ISBN 978-3-86649-182-3. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245
    http://www.socialnet.de/rezensionen/6881.php    Datum des Zugriffs 08.01.2012.

„die Professionalisierung der Frühpädagogik als Projekt zu sehen, bei dem pädagogisches Arbeiten arrangiert, begleitet und erforscht werden sollte.“

 

  • “Forschungslage zu den Effekten institutioneller Kinderbetreuung”(Hüsken, Katrin/Seitz, Katharina/Tautorat, Petra/Walter, Michael/Wolf, Karin (2008): Kinderbetreuung in der Familie. Abschlussbericht. München, S. 19-22.

    http://ww.dji.de/bibs/KiBeFa_Abschlussbericht.pdf

  • Zitatensammlung zur “Forschungslage zu den Effekten institutioneller Kinderbetreuung”(Hüsken, Katrin/Seitz, Katharina/Tautorat, Petra/Walter, Michael/Wolf, Karin (2008): Kinderbetreuung in der Familie. Abschlussbericht. München, S. 19-22.
    http://www.erziehungstrends.de/Kinderbetreuung/Forschungslage

„Eine zunehmende Zahl von Studien verweist auf die entscheidende Bedeutung der Qualität der Kinderbetreuung (Erzieherausbildung, Erzieherrate, Zuwendungszeit, Gruppengröße, Curriculum u. a.) im Hinblick auf die Effekte einer institutionellen Kindertagesbetreuung auf die Kompetenzen der Kinder.“

 

Foto von woodleywonderworks
Lizenz: CC BY 2.0

21 Kommentare

  1. Pingback: Erzieherausbildung an die Hochschule ?

  2. Ja.

    Die Gründe hast du ja schon hinreichend aufgeführt. Gesunder Menschenverstand kann hilfreich sein, unreflektiert kann er aber auch die Sicht auf mögliche Erklärungen und Lösungen verstellen.

    Genau so wichtig wie das Studium finde ich allerdings praxisbegleitende anforderungsorientierte Weiterbildung und Supervision.

    Und über die Studieninhalte müsste man sich erst einmal Gedanken machen ( und da sollten unbedingt auch die Leute aus der Praxis gefragt werden)

  3. Ein Studium ist meiner Meinung nach zu wissenschaftlich, die Praxis fehlt mir da…
    Die regelmäßigen Praktika (Vorpraktikum, Unterstufen- u. Oberstufenpraktika – entweder als Beobachtungspraktika oder Blockpraktikum) sowie das Anerkennungsjahr bringen in die Theorie im Unterricht viel Praxiswissen mit ein, was sehr hilfreich ist und die Wissenschaft greifbarer macht. Die Erfahrungen während der Praktika kann einem auch keiner mehr nehmen, welche den Einstieg Berufsleben erleichtern können.

    Ich bin der Meinung, wenn jemand eine Stelle als Leitung o.Ä. verfolgen möchte und nicht direkt am Kind/Jugenlichen oder so arbeiten möchte, kann er/sie ja gerne z. B. Soziale Arbeit mit Schwerpunkt der frühkindl. Erziehung wählen.

    Ich möchte ganz und gar nicht die Wissenschaft oder Theorie aus meiner täglichen pädagogischen Arbeit ausschließen, die Praxis lebt davon und umgekehrt! Aber meiner Meinung nach ist ein Studium ZU theoretisch.

    Wir machen ohne Studium täglich wirklich gute Arbeit an und mit den Kindern und deren individuellen Bedürfnissen. Wir beobachten und dokumentieren die Entwicklung jedes Kindes, machen gezielte Bildungsangebote und schaffen Bildungsräume – und all das ohne Studium.

    Natürlich ist nach einer erfolgreich abgeschlossenen Ausbildung zur staatl. anerkannten Erzieherin / Erzieher eine kontinuierliche Fortbildung bzw. Weiterqualifizierung unumgänglich!

  4. Hätte ich als Mutter die Auswahlmöglichkeit zwischen zwei ErzieherInnen, wäre bestimmt NICHT meine erste Frage: “Welche Ausbildung haben Sie?”
    Die Forderung nach einer akademischen Ausbildung würde vielen einfühlsamen, kompetenten, einfach guten zukünftigen Erzieherinnen nicht die Möglichkeit zu diesem Beruf geben.
    Was ich fordern würde, wäre eine Grundausbildung und verpflichtende regelmäßige Supervisionen.
    Und ein Abgebot für Weiterbildung wäre wohl in allen Berufen einfach fantastisch!

  5. Nein! Die Ausbildung in den Fachschulen für Sozialpädagogik gestaltet sich in den letzten Jahren immer profesioneller. In RLP und viele anderen Bundesländern (Saarland wird bald folgen) gliedert sich die Ausbildung modular, was bedeutet, dass man weg von der klassischen Fächereinteilung, in berufsbezogenen Lernfeldern unterrichtet wird. So werden fachliche Inhalte aus Pädagogik, Psychologie und Soziologie in ihrer Bedeutung für die Bewältigung beruflicher Anforderungen deutlich. Die Erzieherausbildung braucht keine Akademisierung. Vielmehr muss in der Ausbildung stärker der Praxisbezug deutlich werden und warum denn bspw. entwicklungspsychologisches Fachwissen notwendig ist. Durch die engere Verzahnung von Theorie und Praxis haben die Schülerinnen und Schüler auch eher die Chance herauszufinden, ob sie für die anspruchsvollen Tätigkeiten geeignet sind.

    Gruß C.

  6. im Interesse der Erzieherinnen: JA! Was ist wenn diese mal Auswandern und im Ausland leben möchte? In vielen Ländern kann sie mit ihrer Ausbildung dort nur als Helferin arbeiten trotz langer Ausbildung und muss noch mal studieren. Das ist Fakt! Im Interesse der Kinder: JA! Immer mehr Kinder sind Verhaltensauffällig, immer mehr Trennungskinder, immer mehr mit Migrationshintergrund und Sprachproblemen, immer mehr Fernsehdauerglotzer/nervöse Kinder, immer mehr in Kinderarmut inkl. Bewegungsmangel, fehlender Zuwendung und Bildungsmängel teilweise — eine Pädagogin kann eben auch evtl. bessere Sprachförderung, Mitwirkung bei der Diagnose motorischer, psychischer, sprachlicher Defizite leisten! Diese Diagnose- und Beobachtungsfähigkeit wird immer wichtiger, weil es eben mehr Problemkinder gibt. Die Akademisierung erfolgt auch, weil immer mehr Personen Abitur haben und für diese muss der Beruf attraktiv werden. Die Lernfelder weisen Mängel auf! Ich halte sie für eine Niveau-Absenkung: siehe hier:

    http://www.weiterbildungsinitiative.de/uploads/media/WiFF_Studie_3_Mayer_Internet.pdf

    man darf nicht vergessen: konzipiert wurden diese für den Industriefacharbeiter (Leittextmethode) immer nach Schema F: informieren, planen, ausführen, kontrollieren und evaluieren — damit geht es schlimmstenfalls nur noch um Produktorientierung – so schematisch kann man keine Pädagogik betreiben! So arbeiten Menschen nicht! Vielleicht in einer Fabrik am Fließband? Damit hat man eher das Niveau abgesenkt.

  7. @Christian: diese Didaktik untergräbt doch die Theorie teilweise. Die Theorie ist immer das Fundament und begleitend hinzu kommt die Praxis. Das verrührt man nicht miteinander — was dabei rauskommt sind schlimmstenfalls ewige Powerpointpräsentationen und Diskussionsrunden bis zum Erbrechen. Wichtige Kenntnisse und Hintergrundwissen könnten evtl. nachher fehlen! Erzieherinnen sollen mehr auf die Schule vorbereiten, z.B. bei Sprachlichen Defiziten. Idealerweise sollten sie in der Lage sein Probleme der Kinder zu diagnostizieren, z.B. Verhaltensauffälligkeiten und Sprachförderung betreiben, wo nötig. Diese Lernfelddidaktik gab es 1920 schon mal, wurde in den 1980ern dann von der Industrie wieder aufgegriffen (Leittextmethode und vollständige Handlung für den Facharbeiter)
    Das sieht mir eher nach Rückschritt aus. Professionalisierung ist das Gegenteil: Eigene Weiterentwicklung des Faches auf Basis der Wissenschaften und Empirie. Handeln ist nur Ausführen. Professionalisieren heißt aber selber Weiterentwickeln und höhere Standards ermöglichen. Außerdem ist das doch total künstlich und gestellt: ich denk mir irgendwelche Fälle aus? Man kann die Realität nicht richtig simulieren. In der Pflege hieß ein Lernfeld “die gelbe Unterhose” Was für ein niveauloser Kram ist das bitte???? Früher hieß das dort noch Krankenpflege, Anatomie, Psychologie — jetzt die “gelbe Unterhose”

  8. die Praxis kann man ins Studium integrieren. Im Lehramtstudium ist das mittlerweile ja auch fest verankert, dass zumindest bei Lehramt Grundschule und Gemeinschaftsschule schon ab dem 3. Semester Praxisphasen kommen. Man könnte ja sonst auch das Studium mit mehreren Praxisphasen oder einem Vorpraktikum ausstatten. Das wäre ja nicht das Problem. Es hinterfragt bei anderen Berufen ja auch keiner. Auch im Medizinstudium findet schon nach dem Grundstudium regelmäßig klinische Praktika statt inklusive Pflegepraktikum. Bei Frühpädagogik kann man das auch ab dem 2. Semester sonst schon unterbringen.

    Nur in der Praxis lernen ist aber unprofessionell, weil die Qualität nicht immer gewährleistet ist. Es können leicht Fehler weitergegeben werden oder eben nicht aktuelle Konzepte. Man ist ja irgendwie dann immer abhängig von jenen in der Praxis und wenn die nicht fit genug sind. Gerade Akademisierung sorgt doch für einen Theorie-Praxis-Transfer.

    und wenn jemand ein Abitur hat, ist es anderswo Standard, dass man danach eben tertiäre Bildungsmaßnahmen macht, also ein Studium. Deutschland passt sein Bildungsniveau immer an sein mehrgliedriges Schulsystem an. In vielen Fällen an die Hauptschule. Das hat schon seinen Grund, dass es anderswo schon bald 80% mit langer Schulbildung/Abitur gibt.

  9. außerdem bleibt das Kuriosum, dass die Erzieherausbildung in manchen Bundesländern 5 Jahre dauert, das Studium aber nur 3. Wer vergeudet denn freiwillig seine Lebenszeit?

    im Ausland ist immer eine 12-13jährige Schulbildung üblich, um diesen Beruf zu ergreifen. In DE will man möglichst die Hauptschüler mit reinholen. Sorry, aber ihr müsst mal dringend euer Schulsystem refomieren. Andere Länder haben schon Abiturquoten/lange Schulbildung von 70 – 90%.

    http://www.kmk.org/fileadmin/pdf/PresseUndAktuelles/2010/2010-09-06_PM-LangFinal.pdf

    S. 11

  10. und nicht vergessen: viele in der Erzieherausbildung haben schon Abitur — also 12 Jahre zzgl. 5 Jahre.

    Andere wiederum machen 5 Jahre Ausbildung und wollen später dann noch studieren — das macht schlimmstenfalls dann 8 Jahre oder – bei Anrechnung – dann trotzdem 7 Jahre.

    nur für eine Ausbildung. Im Ausland geht man 12 Jahre zur Schule und dann kommt gleich der Bachelor.

  11. im übrigen bin ich dafür: das man die Weiterbildung der Erzieherinnen so vornimmt, dass sie akademisch stattfindet. Sie würden dann Nachakademisiert werden, wenn Interesse besteht und ihren Bachelor erhalten.

    Man muss das auch mal so betrachten: es sollen ihnen keine Nachteile entstehen, falls sie mal im Ausland arbeiten wollen. Sie sollen auf einer Augenhöhe agieren können mit jenen die immer öfter von den Hochschulen kommen.

    Es gibt nur einen einzigen Grund, warum es in DE nicht akademisch ist: das sog. deutsche Bildungsschisma zwischen beruflich und allgemeinbildend. Erzieherin war immer für die Realschüler vorgesehen und Hauptschüler (davor). Diese parallelen Bildungswege gibt es anderswo nicht. Dadurch ist es dort recht schnell in die akademische Bildung eingeflossen.

    http://www.eric.ed.gov/ERICWebPortal/search/detailmini.jsp?_nfpb=true&_&ERICExtSearch_SearchValue_0=EJ719293&ERICExtSearch_SearchType_0=no&accno=EJ719293

    seit den 1970er Jahren ein Studium.

    Deutschland hängt mit allem hinterher — euer Schulsystem aus dem 19 Jahrhundert kann ich auch echt nicht mehr sehen!

    1809 wollte Humboldt bereits die Gesamtschule für alle Bürger und die Abkehr vom ständischen Schulsystem. Ihr lernt immer noch damit! Das sind über 200 Jahre und Deutschland hat noch Spezialschulen für Handwerker als einfaches Volk.

  12. klarer kann man das deutsche Bildungsschisma nicht sehen als hier:

    http://www.chance-gymnasium.de/der-direkte-weg-zum-abitur/unser-bildungsauftrag/index.php

    ihr habt drei Bildungsaufträge. Für 2 davon muss alles immer beruflich sein.

    deshalb sehen eure Schulen wo 15jährige Realschulabschluss nachmachen sollen jetzt so aus:

    http://www.blv-bw.de/65.0.html

    in DE gibt es für viele bald nur noch Berufsbildung.

    für diese Kinder hier auch:
    http://www.nordbayern.de/nuernberger-zeitung/nuernberg-region/schuler-sammeln-erfahrungen-aus-erster-hand-1.1356965

    die werden auch immer öfter durch Betriebe geschleppt.

    und auch ihretwegen muss Erzieherin immer Berufsausbildung bleiben — alles immer angepasst ans kurze Vorbildungsniveau

    eure Hauptschulen entlassen 15-16jährige. Firmen nehmen 19-ü20 jährige (Eintrittsalter Ausbildungsbeginn im Schnitt bei 19,8 Jahren, nur noch 28% unter 18.

    aber was regt man sich hier noch auf. Eines Tages werden die Deutschen merken, dass ihre Standards niedriger sind als anderswo.

    http://forum-kritische-paedagogik.de/start/wp-content/uploads/downloads/2010/08/LohmannStossSekII.pdf

  13. bei der Akademisierung geht es in Wirklichkeit um was ganz anderes: man macht bei Bildung immer die höchsten Standards. Entwickelt es immer nach oben weiter und macht die Qualität immer besser!

    die Berufsausbildung war immer nur als mittleres Bildungsniveau vorgesehen. Wenn ich etwas aber krampfhaft versuche, auf diesem Niveau zu halten, damit auch noch der letzte Realschüler rein kann, dann pass ich es evtl. nach unten an. Außerdem haben sie es mit Absicht lange undurchlässig gelassen. Anderswo ist die Hochschule die Volksbildung.

    http://www.e-fellows.net/KARRIEREWISSEN/Aktuell/Studium-ohne-Abitur

    Abgesehen vom GATS (Privatisierungsgefahr?) bin ich dennoch für die Akademisierung. Weil ich denke, dass es gut für die Gesellschaft ist, die Bürger gleichwertig auszubilden. Davon lass ich mich auch nicht abbringen.

    http://www.science.gu.se/english/research/portraits/ulrik-hjort-lassen/

    sollen denn Handwerker wirklich nicht studieren dürfen? Das ist doch für den Hauptschüler.

  14. übrigens will man den Bachelor auch an die Ausbildung anpassen – näher an den Facharbeiter — ihr habt es in der kultur hier so extrem mit dem beruflichen

    wieso muss das dann alles immer näher an den Facharbeiter??

    das muss ja einen Grund haben –

    http://www.kibb.de/cps/rde/xbcr/SID-F2280556-88E842E9/kibb/HT2011_FT19_Gerholz.pdf

    http://www.bwpat.de/ausgabe14/gerholz_sloane_bwpat14.shtml

    ich hinterfrage das nur kritisch – leider studier ich nicht Pädagogik, so dass ich nicht dahinterstecke. Ich studier eine Naturwissenschaft, aber dennoch interessiert es mich.

    der Berufsschullehrerverband schrieb “der Bachelor soll die Lernfelder übernehmen, weil die Azubis diese Lernmethode halt kennen” Ja, muss man deshalb ein Studium an eine Ausbildung anpassen???

    zu meiner Zeit gab es noch Fächer, sowas wie “die gelbe Unterhose” wäre mir zu niveaulos gewesen.

    Das darf man wohl noch sagen, oder? Wie sind denn die Lernsituationen der Erzieher so? Da wird doch nicht etwa die ganze Zeit ein Produkt erstellt?

    http://www.fh-campuswien.ac.at/studium/gesundheit/bachelor/gesundheits__und_krankenpflege/studienplan/

    in Wien gibt es Fachsystematik/Theorie

    also Psychologie und sowas — tut mir leid, aber das sieht proffessioneller aus als sowas wie die “gelbe oder verlorene Unterhose”

    Wissenschaft ist Fachsystematik – wieso muss bei einigen hier alles beruflich sein?

    Das sind doch auch allgemeinbildende qualifizierende Bildungsbereiche?

  15. also nachher auch im Psychologiestudium:

    informieren, planen, ausführen, kontrollieren und evaluieren — am Ende dann ein entsorgungsfähiges Produkt. Die exemplarischen Lernsituationen muss sich dann der Prof. ausdenken. Achja — und keiner wird es seltsam finden außer ich.

    früher gab es mal Fächer und dann auf einmal für alle nur noch Areas of Learning. Der Name ist schon schrott — Bildungsinnovation? Ohne Wissenschaftliche Begleitung entstanden.

    ich bin wohl der einzige, der das merkwürdig findet. Aber ich lern nunmal lieber Anatomie, Psychologie, Pflegetheorie und nicht “Situation Unterhose”

    vielleicht ist es ja nur geschmackssache? Oder ich hab halt den Eindruck hier für blöd verkauft zu werden.

    die Berufspäadagogik nennt Krankenschwestern ja auch Facharbeiter — was genau ist denn daran ein Facharbeiter ? Das war übrigens der Bildungsaufstieg für den Arbeiter.

  16. interessant ist auch der kulturelle Unterschied zwischen dem Verständnis was alles höhere Bildung ist: international: http://en.wikipedia.org/wiki/Higher_education

    deutsch: http://de.wikipedia.org/wiki/H%C3%B6here_Bildung

    im Ausland können die Bildungsgänge oft nicht mittlere Bildung sein! Weil es Gesamtschulsysteme sind. Viele Schüler machen die Sekundarstufe 2 immer schulisch! Deshalb sind die Ausbildungen im Ausland auch alle schulisch wie das Bac Pro während in DE oft nicht mal ein allgemeinbildendes Fach mehr drin ist.

    das ist mit den Lernfeldern auch rausgeflogen. Also ich persönlich – finde mittlerweile das Bildungssystem in DE nicht als Normalfall, sondern als Sonderfall.

    hat jemand eine Meinung dazu?

  17. @Jenny
    Nicht jeder taugt zum Abiturienten und Akademiker. Das Abitur als “Standardabschluss” führt nur dazu, dass das Abitur an Wert verliert – schon heute ist es kaum mehr wert als ein früherer Realschulabschluss -, während Real- und Hauptschulabsolventen umso mehr auf der Strecke bleiben, da die Abiturienten ihnen die Ausbildungs- und Arbeitsplätze wegschnappen. Was bleibt denen als Alternative? Sich durchs Abi und Studium quälen, graue Theorie – deren berufsprakischen Wert ich für hoffnungslos überbewertet halte – pauken, um doch noch einen besseren Wisch zu bekommen?

    Ich bin der Meinung, dass man weder einen Hochschulabschluss braucht, um Kinder zu erziehen, noch ist ein solcher überhaupt ein Garant für eine gute Berufspraxis.

  18. Hallo? Zugehört??

    die bilden ihre Bürger bis zum Erwachsenenalter aus! Hauptschule endet mit 15 – das ist Pupertät und Jugendalter. Das hat schon seine Gründe, dass man die anderswo länger mit Allgemeinbildung ausbildet.

    soll ein 15jähriger totkranke Patienten versorgen, multimorbide mit Aids-Vollbild und alle Sicherheitsvorkehrungen einhalten können. Intensivpatienten, Respirationspflege etc.

    mal drüber nachdenken, wann die Hauptschule endet — wir sind nicht mehr in den 1950er Jahren – die IT-Technik hat allein schon Maßstäbe gesetzt.

    von der Realität da draußen haben anscheinend auch viele keine Ahnung. Betriebe haben KEINEN Erziehungsauftrag für Spätpupertierende! Nie gehabt!

    Da geht es ums Geld verdienen.

    in vielen Einstellungstests für Auszubildende sind Fragen enthalten und Rechnungen die man nur kann, wenn man länger zur Schule ging. Das ist die Realität mittlerweile.

  19. die Azubis in DE sind mittlerweile bei AusbildungsBEGINN 19,8 Jahre alt im Schnitt. In der Realität heißt das: nur noch 28% sinkender Tendenz sind unter 18 = Abituralter = Erwachsener im rechtl. Sinne.

    am längsten suchen Hauptschüler, die sind mittlerweile 20 Jahre alt bei Ausbildungseintritt — davor wartet das Übergangssystem.

    das sind längst postsekundäre/tertiäre Bildungsgänge. Daher die Diskussion über mangelnde AusbildungsREIFE

    die wollen Erwachsene! Das ist Abituralter — und da kann man auch nicht mehr mit 15 abschulen und warten, dass die dann 4 Jahre später im Schnitt – mit ca. 20 – dann endlich mal einen Platz bekommen in Ausbildung.

    das muss man auch mal merken!

    die IT hat Maßstäbe gesetzt! Berufe verändern sich. Bei einem Bekannten von mir in der Firma nehmen sie am Liebsten Azubis mit Mitte 20, weil die besser ins Team passen.

    die Zeit ist vorbei, dass ein Betrieb einen “Erziehungsauftrag” hatte, wie das BIBB behauptet immernoch.

    die Zeit der 15-16jährigen in Ausbildung (Sekundarstufe 2 vocational) ist vorbei!

    die kommt auch nicht wieder.

    auch wenn es verrückte Soziologen gibt die meinen, wie letztens in der TAZ “die Betriebe müssen weniger anspruchsvoll sein und wieder 15jährige! nehmen”

    vom Jugendschutz hat die auch noch nichts gehört.

    ich sage: es gibt gute Gründe, warum man die anderswo länger schulisch ausbildet.

    wer heute Landwirt lernt z.B. der muss mittlerweile sich auch in EU-Recht auskennen, in Ökologie, Energieproduktion, BWL, IT, Technik etc…

    Berufe verändern sich halt — mein Opa hatte noch keine Melkmaschine.

  20. ich reg mich über Deutschland mittlerweile auf. Bei den Erziehern haben wir die gleiche Diskussion wie bei den Krankenschwestern, wo man das Eignangsniveau wieder auf Hauptschule festgelegt hat. Nein – ein Alter von 15 (Hauptschulalter) ist nicht angemessen, um Schwerstkranke zu betreuen, weder eignet es sich für die Gerätemedizin auf Intensivstation noch zur Betreuung multimorbider HIV- Patienten und anderer Patienten mit Infektionskrankheiten.

    bei den Erziehern ist es genauso – ein 16jähriger Realschüler kann als spätpupertierender eben nicht immer alles reflektieren, wie ein Erwachsener es tut.

    Das ist der Grund, warum andere länder möglichst viele der Bürger lange schulisch ausbilden. Für bestimmte Berufe einfach noch zu jung.

    Alter bei Ausbildungsbeginn ist in DE schon längst postsekundär – 19,8 jahre .- nur noch 28 % sind unter18 — die nehmen schon längst Erwachsene.

    die Schulen schulen die mit 15,16 Jahren ab .. dann warten die halt so lange.

    ich denke, das hat seine Gründe, dass viele Länder die lange schulisch vorbilden. Vielleicht bis zur Reife?

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