eventualpsychologie

es könnte so ein…oder ganz anders.

Das Gesetz des Schulhofes – aktualisierte Auflage(n)

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“Das Gymnasium am Krebsberg in Neunkirchen hat eine ungewöhnliche Pausenregelung getroffen: Auf dem Schulhof soll unter anderem nur noch Deutsch gesprochen werden… Handys und provozierende Kleidung sind absofort tabu”

ganzer Artikel: http://www.sr-online.de/sr3/1215/1348892.html

Die Zusammenhänge zwischen schulhoflicher Sprachenvielfalt, kleidungsmediierter Provokation und pausenzeitlichem Handygebrauch auf der einen Seite und Konflikthäufigkeiten sowie Konfliktverlauf auf der anderen Seite wurden natürlich vor Beschluss dieser Maßnahme erfasst, oder?

In Sachen “wahrgenommene Diskrimination” und Ablehnungs-Identifikationsmodell hat sich der Schulleiter ja schon wahrnehmungskorrigierend geäußert, und Efigenia (Muttersprache: Russisch) wirkt auch schon so mittelwahrnehmungskorrigiert:

“Ich hab mich in meiner Kultur angegriffen gefühlt… zuerst war ich dann schon ein bisschen beleidigt, weil ich gedacht hab, die wollen mir jetzt meine Identität klauen…”

Aber nicht doch, das will der Schulleiter auf keinen Fall, er will nur verhindern, dass das harmonische Miteinander auf dem deutschen Schulhof nicht wegen

“Abgrenzung durch Sprache”

und daraus (nur daraus?) resultierender Gruppenbildung verhindert wird.

Zusammen mit dem Bildungsministerium, das nach Aussage von Stephan Körner

“zunächst mal damit nicht so ganz glücklich”

ist, warte ich gespannt auf die Ergebnisse der nachfolgenden (begleitenden?) Evaluation.

Sicher wird aus einem abschließenden Bericht auch deutlich, welche Kleidungsstücke unter “provozierend” fallen. Ob sich allerdings die Theorie “Handy-aus-Internet-geht-wieder-weg” bestätigen wird, das wage ich zu bezweifeln. Na ja, es gibt halt unterschiedliche Wege zur Medienkompetenz.

Während Christian Wilhelm vom Landesamt für Präventives Handeln – (und einige andere anscheinend auch) – die deutsche Sprache unumgänglich als (einzige?) gemeinsame Basis für Integration sehen, bleibe ich solchen Hauruck-Verordnungen gegenüber kritisch:

“Es ist eine soziale Gegebenheit, dass in Europa unterschiedliche Sprachen (auch auf Grund von MigrantInnen und AsylantInnen) koexistieren. Daher scheint es unmöglich und unvernünftig, dass das Bildungssystem eines Staates von einer homogenen Nationalkultur ausgeht und die sprachlich-kulturelle Vielfalt der gewachsenen Gesellschaft ignoriert. So verstandene Sprachenpolitik kann zur Unterdrückung der Minderheiten- und Migrantensprachen und zur Marginalisierung bestimmter Sprachgruppen, die an den Rand gedrängt werden, führen. Die negative Einstellung gegenüber Mehrsprachigkeit und vor allem gegenüber der Benutzung der Muttersprachen führt zur Zersplitterung der Gesellschaft sowie zur Abwertung anderer Nationen gegenüber der „Herrschaftsgesellschaft“.”

Anna Emilia Wojtaszek:
„Migrationsbedingte Mehrsprachigkeit und ihr Einfluss auf die Identitätsbildung“

S.98

PS:
Nach einer empirischen Selbstüberprüfung kann ich gemäß der Saphir-Whorf-Hypothese das Prinzip der sprachlichen Relativität bestätigen:
Mit dem hochdeutschen Kommentar zu dieser Maßnahme kann ich meine muttersprachlich verankerten Emotionen nicht so wirklich treffend ausdrücken.
( “Och nää, ne? Die hann jo eschd kompledd wat am Schwemma” )

Foto von stvkowisbg
lizensiert unter CC BY 2.0

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