eventualpsychologie

es könnte so ein…oder ganz anders.

Neujahrsvorsätze

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Die spaßigen Vorsätze, die man sich wiederkehrend für ein neues Kalenderjahr vornimmt, scheitern zu fast 80%, das hat Richard Wiseman mal untersucht. Obwohl die Studie bereits ein paar Jährchen auf dem Buckel hat, dürfte sich daran wahrscheinlich wenig geändert haben, ebensowenig wie an den “guten” Vorsätzen selber. Ganz vorne wie stets: Gewicht verlieren, mit dem Rauchen aufhören, mehr Sport…

Tatsächlich kann man mit solchen Vorsätzen beinahe nur verlieren, sie greifen nämlich etwas an, was uns in Wirklichkeit sehr lieb und teuer ist, nämlich unsere “schlechten Angewohnheiten”.
Aber was macht diese Angewohnheiten denn “schlecht”? Wer zu dick ist, raucht oder keinen Sport macht, lebt “ungesund”, das weiß der Hausverstand doch.

Lustig. Noch vor einem kurzen, kosmischen Augenzwinkern liefen unsere Vorfahren täglich Gefahr, von einem Säbelzahntiger gefressen zu werden, zu verhungern, an Pest/Grippe/Wundbrand zu krepieren oder einfach von einem miesepetrigen Nachbarn erschlagen zu werden. Im 17. Jahrhundert war die Sterblichkeitsrate im Kindesalter so hoch, dass in Europa eine durchschnittliche Lebenserwartung von 17 Jahren herrschte.
Und wir denken ernsthaft darüber nach, was doch die Tüte Chips abends vorm Fernseher für ein großes Unheil darstellt?

Man könnte meinen, unser Leben hätte ein bißchen an Nervenkitzel verloren. Das kompensieren wir wohl nicht mit Fastfood und Kippen. Eventuell mit Extremsport, was nach den Kriterien des Hausverstands wohl nicht als schlechte Angewohnheit gilt? (These: der durchschnittliche Bungee-Jumper/Fallschirmspringer/Marathonläufer/Gleitschirmflieger hat sonst eine eher überdurchschnittlich “gesunde” Lebensweise. Jemand Einwände?)
Oder vielleicht aber eben doch durch einige kleine Alltagsrisiken?

Tatsächlich profitieren wir von unseren schlechten Angewohnheiten, sonst hätten wir sie ja nicht. Fettes Essen macht uns zum Beispiel glücklich, sagt Professor Daniele Piomelli von der University of California, Rauchen beruhigt uns (“Rauchen trägt zu der Distanz bei, die man braucht, um eine Sache in ihrer Gesamtheit zu betrachten.” Winston Churchill) und ist ein kommunikatives Werkzeug, Faulheit ist ein klarer Evolutionsvorteil.

Wir haben sie eben nicht ohne Grund, unsere schlechten Angewohnheiten…vielleicht auch ein kleines Stück persönliche Freiheit in einer eher lustfeindlichen Gesellschaft, die den üblen Spuk der Volksgesundheit noch in sich trägt?
Wer, wenn es denn nun nochmal zwölf zum Jahreswechsel schlägt, und (meistens übrigens tatsächlich betrunken) sich nochmal seiner schlechten Angewohnheiten entledigen möchte, kann dies gerne tun und ich wünsche von Herzen gutes Gelingen. Allerdings fände ich es nützlich und ergiebig, sich erst mit dem eigenen inneren Schweinehund mal auf eine Zigarette und eine Portion Pommes an einen Tisch zu setzen und mit ihm zu diskutieren, warum er sich denn auch in der Vergangenheit so quergestellt hat mit den Neujahrsvorsätzen. Meist hat er auch ein paar gute Gründe für die schlechten Angewohnheiten vorzubringen. Prost Neujahr.

“”Es gibt Menschen, die auf alles Essbare, Trinkbare, Rauchbare verzichten, das ein irgend schlechtes Ansehen bekommen hat. Sie machen dieses Opfer für die Gesundheit. Und alles, was sie davon haben, ist Gesundheit. Wie merkwürdig. Es ist, wie wenn man ein Vermögen bezahlte für eine Kuh, die keine Milch mehr gibt.”” Mark Twain

Bilder:
FrenchFries (morgueFile.com)
Meeting (mit freundlicher Genehmigung, alle Rechte vorbehalten)

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