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es könnte so ein…oder ganz anders.

BGM – “Gesunde Mitarbeiter – Gesunde Unternehmen”

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Im Rahmen meines Psychologie-Studiums bin ich momentan auf der Suche nach einem geeigneten Praktikumsplatz. Und als ich mich dann so durch die verschiedenen Job-Börsen geklickt hab, ist mir eine Praktikumsstelle besonders ins Auge gestochen… Deren Inhalt möchte ich im Folgenden kurz vorstellen.

 

Betriebliches Gesundheitsmanagement

In Zeiten der Industrialisierung und des technischen Fortschritts sind Krankheiten aufgrund psychischer Belastungen heutzutage präsenter denn je. Immer mehr Menschen halten dem Druck unserer schnelllebigen Gesellschaft nicht mehr stand, was sich nicht selten in Form von psychischer Belastung und auch in psychosomatischen Störungen niederschlägt.

Eine im Auftrag der Techniker-Krankenkasse durchgeführte repräsentative Studie von 2009 ergab, dass 80% der Deutschen ihr Leben als stressig empfinden, sogar jeder Dritte gab an, unter Dauerdruck zu stehen. Bereits 20% leiden an gesundheitlichen Spätfolgen, angefangen von Schlafstörungen bis hin zum Herzinfarkt. Hauptursachen sind meist der Job und/oder finanzielle Belastungen.

Dies schlägt sich nicht nur im Gesundheitssystem nieder, auch die Wirtschaft muss starke Einbußen verkraften. 2008 waren Arbeitnehmer in Deutschland fast 10 Millionen Tage aufgrund von Burnout-Symptomen krank geschrieben, das bedeutet einen Anstieg um 17% im Vergleich zum Jahr 2004 – und eine Besserung ist vorerst nicht in Sicht.

Doch viele große Firmen reagieren jetzt mit gesundheitsfördernden Maßnahmen – fachsprachlich betriebliches Gesundheitsmanagement (kurz: BGM) genannt.

 

Was ist BGM?

Allgemein versteht man unter BGM unterschiedliche Fördermaßnahmen in zwei Richtungen: zum Einen möchte man Arbeitsbedingungen gesundheitsgerecht gestalten, und zum Anderen liegt es im Interesse einen gesunden Lebensstil der Beschäftigten zu fördern.

Konkret integriert BGM drei Teilmaßnahmen mit jeweils einer Fülle von unterschiedlichen Bereichen:
Präventionsmaßnahmen dienen dem Abbau und der Vorbeugung von gesundheitlichen Risikofaktoren, angefangen bei solch banalen Themen wie der Anschaffung einer Hebehilfe zum Bewegen schwerer Lasten, bis hin zu Schulungen zum Umgang mit schwerem Gerät.
Gesundheitsförderungsmaßnahmen zielen auf die Förderung und Stärkung von gesundheitlichen Schutzfaktoren ab. Diese beinhalten beispielsweise das Bereitstellen eines Angebots an gesunder Pausenverpflegung, Angebote zu unterschiedlichen Kursen (unter anderem Kurse zur Stärkung der Rückenmuskulatur), ect.
Nicht zu vergessen sind natürlich auch verhältnispräventive Maßnahmen, welche sich auf die äußeren Arbeitsbedingungen beziehen. Dazu zählen mitunter angemessene Arbeitsmengen/Arbeitszeiten, ein gewisser Verantwortungsspielraum und auch ergonomische Gestaltung von Arbeitsmitteln.

 

BGM als Langzeitaufgabe

BGM darf nicht als eine einzige Maßnahme, die langfristig zum Erfolg führt verstanden werden. Vielmehr ist BGM ein fortschreitender Zyklus mit folgenden Komponenten:

  • Bedarfsanalyse: Wo stehen wir?
  • Planung: Wo wollen wir hin?
  • Intervention: systematisch ausgeführte Maßnahmen und Aktivitäten durchführen – dabei Probleme identifizieren und Lösungen erarbeiten!
  • Evaluation: Haben sich unsere Erwartungen erfüllt? Wo liegen Hindernisse und wie lassen sich diese beheben?
  • –> Ausgangspunkt neuer Planung und Veränderung in der Intervention!

Wie man sieht ist BGM also ein langfristiger Prozess, welcher immer wieder an neue Begebenheiten angepasst werden muss um anhaltende Zufriedenheit und Stabilität zu bewirken.

 

Wozu die ganze Mühe?

Getreu nach dem Motto “Gesunde Mitarbeiter- Gesunde Unternehmen” verspricht BGM multifunktionale Verbesserungen: mehr Gesundheit bei gleichzeitig niedrigeren Kosten, gesteigerte Arbeitszufriedenheit und damit nicht zuletzt auch eine höhere Produktivität.

Diese Faktoren sind heute wichtiger denn je, denn in Zeiten des wirtschaftlichen Konkurrenzdrucks ist ein schlechtes Betriebsklima und schlechte gesundheitliche Bedingungen für große Unternehmen untragbar.

Kosten-Nutzen-Analysen bestätigen die positiven Effekte und die Rentabilität eines betrieblichen Gesundheitsmanagements. Jeder durch BGM eingesetzte Euro spart Unternehmen im Schnitt zwei bis zehn Euro.

Auf der Nutzenseite sollte man seinen Blick auf die Mitarbeiter richten: oft entstehen hohe Fehlzeiten durch Unzufriedenheit, welche wiederum nicht selten zu innerlicher Kündigung führt. Ein “innerliches Abschließen” hat erhebliche Folgen auf die Produktivität des Mitarbeiters – und genau deshalb ist Mitarbeiterzufriedenheit ein sehr wichtiges Thema. Untersuchungen haben nachgewiesen, dass durch BGM die Fehlzeitenquote um durchschnittlich 26% gesenkt werden konnte.

 

BGM – das Unternehmen als Alleinunterstützer?

BGM ist eine große Aufgabe für Unternehmen, doch die Unternehmen stehen mit dieser Aufgabe nicht alleine da.

Unterstützung finden sie zum Beispiel bei vielen Krankenkassen, denn die Gesundheit der Arbeitnehmer liegt natürlich auch in deren Interesse.
Eine weitere Instanz, die davon profitiert ist natürlich auch der Staat. Deshalb werden deutsche Unternehmen seit 2009 staatlich in der Förderung der Mitarbeitergesundheit unterstützt. Pro Mitarbeiter und Jahr bekommen Unternehmen 500 Euro lohnsteuerfrei um in die Mitarbeitergesundheit zu investieren.

 

Alles in allem also eine lohnende Sache, die jedoch ohne aktive Beteiligung aller Betroffenen nicht funktionieren kann.

Zu dem ein interessanter Bereich, allemal ein sechsmonatiges Schnupper-Praktikum wert! ;-)

 

 

 

Quellen:

http://www.bkk-bgm.de/index.php?option=com_scms&Itemid=189&thema_id=2

http://www.derwesten.de/panorama/mehr-arbeitsausfall-durch-psychische-erkrankungen-id546689.html

http://www.aerzteblatt.de/v4/news/news.asp?id=36581

http://www.bgm-bielefeld.de/

 

 

Autor: Laura

Psychologie-Studentin an der FernUni Hagen

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