eventualpsychologie

es könnte so ein…oder ganz anders.

Über sieben Ecken musst Du gehen…Wie Vulgärsprache in Medien Kinder und Jugendliche beeinflußt.

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Etwas Obskures aus der Abteilung Medienwirkungsforschung: Sarah M. Coyne von der christlich ausgerichteten Brigham Young University hat den Einfluß von Vulgärssprache in den Medien auf Heranwachsende und aggressives Verhalten untersucht.

Dabei herausgekommen ist erstmal scheinbar gar nichts. Kein direkter Einfluss von Vulgärsprache in den konsumierten Medien und aggressivem Verhaltens.
Aber das kann man als Angestellte einer christlichen Privatuniversität, die u.a. auch die “saubere Sprache” als Teil ihres Verhaltenskodex fordert, so ja nicht auf sich beruhen lassen.

Deswegen werden “komplexe Statistiken aufgestellt”, die dann zeigen:

Vulgärsprache in den Medien führt dazu, dass die Heranwachsenden die Sprache als selbstverständlich hinnahmen. Heranwachsende, die Vulgärsprache als normal ansahen, benutzten sie auch eher. Und – endlich – wer Vulgärsprache selber benutzt, neigt auch eher dazu, psychische und physische Gewalt anzuwenden. Über sieben Ecken musst Du gehen…

Abgesehen davon, dass hier trotzdem noch jegliche Kausalzusammenhänge leicht in Frage gestellt werden dürfen, setzt die Studie noch einen drauf: sie hat nämlich die “direkt dargestellte Gewalt und Aggression” als Faktor mit einberechnet. Sehr sorgfältig. Während andere Forscher sich tüchtig darüber streiten, ob und in welcher Weise medial erfahrene Gewalt und reale Gewalt zusammenhängen, kann die Frau Coyne das mal locker in ihrer über 4 Ecken aufgestellten Behauptung rausrechnen.

Die Brigham Young University hat (abgesehen von ihrem lustigen Verhaltenskodex) auch einen etwas “eigenwilligen” Begriff der Freiheit der Lehre:

“1992 entwarf die Universität ihre gegenwärtige „Statement on Academic Freedom“.[2] Dies schreibt Einschränkungen der Lehrfreiheit in drei Bereichen vor: Demnach dürfen keine öffentliche Äußerungen (oder Äußerungen vor Studierenden) gemacht werden, die „(1) fundamentaler Kirchendoktrin oder -politik widerspricht oder entgegenwirkt, statt zu analysieren oder diskutieren, (2) absichtlich die Kirche oder ihre allgemeine Führung angreift, oder (3) dem Verhaltenskodex zuwiderläuft, weil die Äußerung unehrlich, unkeusch, profan oder unangemessen respektlos anderen gegenüber ist.“

Quelle/Autoren

Ich habe die Orginalstudie nicht gelesen, und ich will es auch gar nicht. Ich nehme mir die Freiheit, Studien einer Universität, die die Freiheit der Lehre ernsthaft eingeschränkt hat, einfach nicht ernstzunehmen. Schade wenn das andere tun.

Foto: morguefile.

[update] Man beachte bitte PonyQs Äußerungen in den Kommentaren unter disem Artikel und insbesondere ihr Schaubild.

2 Kommentare

  1. Die Studie ist jetzt frei zugänglich: http://pediatrics.aappublications.org/content/early/2011/10/14/peds.2011-1062.full.pdf

    Zur Methode: Fragebogen zur Selbstauskunft – mit eigens zu diesem Zweck konstruierten (Mini-)Skalen…

    Dabei wurden z.B. von 223 Ratings zum “Vulgärsprachengehalt” durch die Jugendlichen (11-15 Jahre) selbst 22 Ratings mit anderen dementsprechenden Analysen und anderen Ratings zu Videospielen und Fernsehinhalten verglichen und für reliabel befunden. Daraus soll der Leser dann wahrscheinlich schließen, dass die übrigen Selbstratings auch reliabel waren ? Keine Ahnung, ob das statistisch begründbar ist…

    Pubertierende Jugendliche und “Selbstbeobachtung” in Sachen “Vulgärsprache” halte ich für eine Mischung, die das Auftreten von Störfaktoren quasi fördert… von wegen Selbstdarstellungstendenzen, Reflektionsfähigkeit, Sprachwahrnehmung… Da hätte ich zumindest ein paar zusätzliche Quellen zur Datenerhebung (Fremdbeurteilung durch Lehrer, Eltern, Mitschüler in den Bereichen “aggressives Verhalten” und “angewandte Vulgärsprache”) unterstützend gefunden…

    Zum angegeben Pfadmodell hätte ich neben der einfach “umgedrehten” Alternative (“aggressives Verhalten führt zu vermehrter “Anwendung von Vulgärsprache” und zu mehr “Konsum vulgärsprachehaltiger Medien”) noch eine andere Idee:

    Wie passt denn die Erklärung, dass sowohl “Vulgärsprache in den Medien” als auch “aggressives Verhalten” zu einer vermehrten “Anwendung von Vulgärsprache” führen ???

    edit: Auf dieses Modell kommt natürlich niemand, der nach einem (möglichst kausalen) Zusammenhang zwischen “Vulgärsprache in Medien” und “aggressivem Verhalten” sucht…

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